Rezension zu: Zwölf Wege ins Archiv: Umrisse einer offenen und praktischen Archivwissenschaft / Christian Keitel
Heidrun Wiesenmüller
o-bib. Das offene Bibliotheksjournal · 2020
doi:10.5282/o-bib/5641 (opens in a new tab)
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Abstract
Wer unter dem Titel "Zwölf Wege ins Archiv" ein einführendes Werk erwartet hat, geht fehl.Vielmehr handelt es sich, wie es der Titelzusatz andeutet, um eine stark reflektierende Auseinandersetzung damit, wie zeitgemäße Archivwissenschaft aussehen sollte, von welchen Konzeptionen sie ausgehen und mit welchen Themen sie sich beschäftigen sollte.Der Autor ist stellvertretender Leiter der Abteilung "Archivischer Grundsatz" des Landesarchivs Baden-Württemberg und Honorarprofessor an der Fachhochschule Potsdam, woraus sich sein besonderes Interesse an der archivwissenschaftlichen Lehre erklärt.Weit über sein engeres Wirkungsfeld hinaus ist er als Spezialist für digitale Langzeitarchivierung bekannt.U. a. war er maßgeblich am Nestor-Kriterienkatalog für vertrauenswürdige digitale Langzeitarchive beteiligt, der 2012 in die DIN 31644 mündete.Sein Engagement hat ihn vielfach in einen engen Austausch mit Kolleg*innen aus Bibliotheken und anderen Gedächtnisinstitutionen geführt; auch die Rezensentin saß vor vielen Jahren mit ihm gemeinsam in einer Arbeitsgruppe.Diese beiden Aspekte -der Schwerpunkt auf der Erhaltung digitaler Objekte einerseits und der domänenübergreifende Blick andererseits -machen Keitels Werk nicht nur für Archivar*innen, sondern auch für Bibliothekar*innen interessant.Vorausgeschickt werden muss jedoch, dass sich der enorme Gehalt des Bands nicht leicht erschließt, sondern vielmehr beim Lesen volle Konzentration erfordert.Der Autor bedient sich eines "gelehrten", manchmal auch etwas "blumigen" Stils, wie man ihn heutzutage nur noch selten antrifft; auch Gendering gibt es nicht.Bei seinen Ausführungen setzt er ziemlich viel voraus -nicht nur Kenntnisse über mancherlei fachliche Konzepte, sondern auch eine sichere Vertrautheit mit verschiedenen philosophischen Schulen und geistigen Strömungen.Oft wäre es gut gewesen, wenn der Autor mit seinen Erklärungen einen Schritt früher angesetzt hätte, zumal das Werk für ein breites Zielpublikum gedacht ist: Es soll "klassischen Archivaren, Mitarbeitern in anderen Gedächtnisinstitutionen und Vertretern der neuen, vor allem in der digitalen Welt arbeitenden Archive von Nutzen sein" (S. 240).Einer kursorischen Lektüre oder gar einem schnellen Überfliegen entzieht sich der Text weitgehend, denn die Hauptpunkte und "Take-away messages" lassen sich nicht so leicht identifizieren.Optisch aufgelockert wird der in recht kleiner Type gesetzte Fließtext vor allem durch abgesetzte wörtliche Zitate; dazu kommen einige Abbildungen und Spiegelstrichlisten, gelegentlich auch Fettsetzungen.Zu einer leichteren Orientierung der Leser*innen hätten aussagekräftigere Überschriften beigetragen: Die zwölf Hauptkapitel sind jeweils nur mit einem generischen Wort betitelt (z.B. "Voraussetzungen", "Kontexte") und auch die Überschriften auf zweiter und dritter Ebene bleiben öfter blass (z.B. "Erste Ergebnisse", "Diskussion").Man muss sich also wirklich voll auf den Text einlassen und den oft komplexen Überlegungen und Argumentationen Schritt für Schritt folgen.
Abstract licence: CC BY
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