Editorial
Armin Grunwald
Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis · 2008
doi:10.14512/tatup.17.2.3 (opens in a new tab)
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Abstract
In den letzten Jahren war in der gesellschaftlichen Debatte ein Vorgang zu beobachten, den wohl jede(r) auch aus der eigenen Lebenswelt kennt: Ein Problem tritt auf und man hat es zwar geahnt, aber erfolgreich verdrängt.Oft ist es noch dazu ein Problem, das erhebliche Ausmaße annimmt, das sogar die bisherige Lebensweise infrage stellen könnte.Dann neigen wir dazu, nach jedem rettenden Strohhalm zu greifen, auf Deus ex Machina zu hoffen und einfachen Lösungsvorschlägen rasch Glauben zu schenken.Es ist die Rede davon, dass der seit einigen Jahren rasch ansteigende Ölpreis die unangenehme Wahrheit wieder ins Bewusstsein gerückt hat, dass fossile Energieträger, vor allem das Erdöl, in nicht allzu ferner Zukunft zur Neige gehen werden, was dann wiederum den Lebensnerv der industriellen Gesellschaft bedroht.Nicht dass diese Erkenntnis neu wäre; manch einer erinnert sich an die Ölkrisen der 1970er Jahre.Die Verdrängung dieser Wahrheit in den 1980er und 1990er Jahren könnte eine der erfolgreichsten Verdrängungen der Menschheitsgeschichte sein -erfolgreich als Verdrängung, katastrophal aber möglicherweise in ihren Folgen.Zwei Jahrzehnte Zeit zur Vorbereitung auf diesen Ernstfall wären verpasst worden.Vor einigen Jahren, als die verdrängte Wahrheit wieder ins gesellschaftliche Bewusstsein rückte, war der eingangs erwähnte rettende Strohhalm pünktlich zur Stelle: Statt Benzin aus Erdöl sollte "Diesel vom Acker" zur Lebensquelle unserer industriellen und automobilen Gesellschaft werden.Eine verlockende Vorstellung: Statt fossiler Energieträger würden erneuerbare, im Wortsinne "grüne" und anscheinend CO 2 -neutrale Energieträger verwendet.Autofahrer bräuchten sich genauso wenig umzustellen wie die Automobilindustrie, lediglich in der "supply chain" müssten einige Prozesse anders organisiert werden.Der heimische Landwirt mitsamt dem ländlichen Raum würde von neuer Wertschätzung und ökonomischem Wohlstand profitieren.So viel Win-win-Situation, so schien es kurzzeitig, war nie.
Abstract licence: CC BY
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